Gerade in den südlichen Ländern Europas ist die Farbe "grau" beim Deutschen Schäferhund - insbesondere bei den Anhängern der sogenannten "Hochzucht" - nicht sehr beliebt. Warum dies so ist, kann ich nicht beurteilen. Dennoch möchte ich versuchen, diese weitverbreiteten Vorurteile ein wenig aus der Welt zu räumen.
Es ist nicht mein Anliegen, aus jedem Leser dieses Artikels nun in einer halben Stunde einen Fan der grauen Farbe zu machen. Ich möchte aber versuchen, allgemein verständlich darzustellen, warum und wie graue Hunde sinnvoll in der Zucht einsetzbar sind.
Unter der Rubrik "Rassekennzeichen" des Deutschen Schäferhundes finden wir die Beschreibung der zulässigen Farben:
Schwarz mit rotbraunen, braunen, gelben bis hellgrauen Abzeichen. Schwarz einfarbig, grau mit dunkler Wolkung, schwarzem Sattel und Maske. Unauffällige, kleine, weiße Brustabzeichen, sowie helle Innenseiten sind zugelassen, aber nicht erwünscht. Die Nasenkuppe muß bei allen Farbschlägen schwarz sein. Fehlende Maske, helle bis stechende Augenfarbe sowie helle bis weißliche Abzeichen an Brust und Innenseiten, helle Krallen und rote Rutenspitze sind als Pigmentschwäche zu bewerten. Die Unterwolle zeigt einen leichten Grauton. Die Farbe weiß ist nicht zugelassen.
Auf die genetischen Grundlagen der Farbe möchte ich hier nicht eingehen. Das kann ggf. nachlesen werden z.B. bei "Schleger".
In meinen Ausführungen werde ich, wenn ich von schwarz-gelben, schwarz-roten oder schwarz-braunen Hunden spreche, grundsätzlich immer schwarz-braun sagen - der Einfachheit halber.
Der Farbschlag "Grau" wird aus verschiedener Betrachtungsweise unterschiedlich beschrieben.
Alle folgenden Variationen gelten als "grau", wobei mehr oder weniger helle Backen und Aufhellungen an den Innenläufen in dieses "grau" mit eingehen:
Farbschlag "Grau"
- Grau (wolfsgrau)
- Grau-Schwarz
- Schwarz-Grau
- Grau-Braun
- Grau-Gelb
- Grau, dunkel gewolkt
- Grau gewolkt, Maske
- Dunkelgrau, Maske
- Grau, braun-schwarz gewolkt
- Grau-braun mit schwarzen Marken an Läufen und Zehen
- Grau, braune Abzeichen an Kopf und Läufen, Maske
- Dunkelgrau, Aalstrich
- Mittelgrau
- Hellgrau
- Blassgrau
Bis zum Mittelgrau sind alle Variationen in der Zucht wünschenswert und nicht zu beanstanden, außer wenn Backenaufhellungen und starke Aufhellungen an den Läufen auftreten.
Sollte man die Unterschiede zwischen diesen einzelnen Bezeichnungen herausstellen, so wird man auf größere Meinungsverschiedenheiten stoßen - was die Beschreibung angeht. Die angeführten Unterschiede in der Bezeichnung "Grau" findet man in den Ahnentafeln wieder.
Sieht man den beim Tätowieren in der Farbe eingestuften Hund nach 3 Jahren wieder, so wird auffällig, daß die anfängliche Farbbezeichnung häufig nicht mehr stimmt.
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Beispiel:
Aus dem grau-hellgelben Welpen mit Aalstrich ist ein tief-dunkelgrau-brauner Hund geworden.
Genauso umgekehrt:
Aus dem dunkelgrau-braun-gewolkten Welpen ist ein grau-gelber Hund geworden.
Diese auf Anhieb nicht so recht einleuchtende Entwicklung ist gar nicht so selten.
Sicher ist jedenfalls, daß der graue Schäferhund seine endgültige Farbe in der Regel erst mit dem 3. Lebensjahr entwickelt hat.
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Aufgrund meiner züchterischen Erfahrungen glaube ich behaupten zu können, daß sich z.B. an der Ausprägung der Maske oder an den Außenseiten der Ohren absehen läßt, wie hoch der Schwarzanteil beim grauen Hund später sein wird.
In dem Zusammenhang stellt sich die Frage:
Wann ist ein Hund grau?
Die Festlegung der Farbe "grau" erfolgt grundsätzlich sofort nach der Geburt. Zu diesem Zeitpunkt ist definiert, ob ein Hund schwarz, schwarz-braun oder grau ist.
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So sehen diese Welpen dann später aus:
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Oftmals werde ich gefragt, wenn ein ausgewachsener schwarz-gelber Hund ohne geschlossene schwarze Decke aufscheint, wo denn bei diesem Hund die graue Farbe herkommt.
Dieser Hund ist nicht grau, er hat nur keine geschlossene schwarze Decke.
Tatsächlich ist es aber so, daß ein grau-gelber Hund in diesem Alter oftmals kaum zu unterscheiden ist von einem schwarz-gelben mit nicht geschlossener schwarzer Decke.
Man kann auf keinen Fall dann dazu übergehen, aus diesem Hund per Korrektur der Farbangabe auf der Ahnentafel einen grauen Hund zu machen, denn es ist keiner - ich meine natürlich - kein grauer.
Und dieser Hund kann natürlich auch garantiert keine Verbesserung in der Pigmentierung bringen, da es gar kein grauer Hund ist.
Womit wir beim 1. Reizthema wären:
Ist der graue Schäferhund wirklich der Pigmentverbesserer?
Man sollte sich wirklich nicht der Illusion hingeben, daß der graue Schäferhund im allgemeinen schlagartig in der Pigmentverbesserung Wunder bewirken kann; und das noch in einer Population, wo jahrzehntelang der schwarz-braun bis rote oder hell-gelbe Hund bevorzugt wurde.
Das ist natürlich nicht oder nur begrenzt möglich.
In speziellen Fällen können durch den grauen Schäferhund schnelle Veränderungen bewirkt werden. Dazu aber später.
Beide Farbschläge, sowohl schwarz-braun als auch grau, haben eines gemeinsam:
Wenn sie ohne Bedenken und ungezielt untereinander angepaart werden, tritt eine Aufhellung in beiden Fällen - in mehr oder weniger starker Form - auf.
Die Aufhellung tritt dann mehr auf, wenn durch das Ausmendeln ein vielgenutzer Rüde - der selbst gar nicht so hell zu sein braucht - als Aufheller in Erscheinung tritt.
Geht man z.B. nach jeder 3. oder 4. Paarung in schwarz-braun eine sinnvolle graue Verbindung oder umgekehrt nach mehreren grauen eine sinnvolle schwarz-braune Verbindung ein, so wird es keinen Pigmentverlust geben.
Oft wird behauptet, daß ein gut pigmentierter schwarz-brauner Elternteil, der selbst einen grauen Elternteil hat, bessere Pigmentierung nicht nur in den grauen Nachkommen bringt.
Oder, daß grau mit grau gepaart immer helleres grau gibt.
Nach meinen Erfahrungen ist das in der Regel richtig. Doch so pauschal kann die Erbfolge nicht bewertet werden, auch nicht mit der Erklärung, daß in einer Population, wo 95 % schwarz-gelbe Hunde vertreten sind, der Graufaktor in der Erbmasse verblaßt. Genau das Gegenteil ist nämlich der Fall.
Durch die laufende schwarz-gelbe Erbfolge tritt eine sogenannte Konsolidierung, also Verdichtung des schwarz-gelben Allels (Zustandsform eines Gens) ein, was mit laufender Inzucht zu vergleichen ist und somit die Vitalität des Allels - sprich gute Pigmentierung - immer geringer wird.
Das Grau-Gen kann in diesem Fall gar nicht verblassen, da es bei schwarz-gelben Verbindungen gar nicht gefordert wird.
Somit unterliegt die Pigmentvererbung - ähnlich wie die Langhaarvererbung - bestimmten Regeln.
Paart man einen reinerbigen Partner in schwarz-braun (wenn es ihn geben sollte) mit einem reinerbigen grauen Partner (ebenfalls sehr selten) an, würden die Nachkommen farblich zwischen den beiden Elterntieren liegen. In diesem Beispiel würden theoretisch Welpen mit folgender Farbverteilung fallen: grau-braune, grau-schwarze, grau-braun gewolkte oder grau-schwarz gewolkte.
Wie schon angedeutet, ist – mir zumindest - kein Rüde bekannt, der nachweislich an mehr als 100 Nachkommen seine schwarz-braune Farbe - natürlich in Verbindung mit grauen Hündinnen - dominant vererbt hat.
Auch der dominant grau vererbende Hund (ich persönlich kenne leider keinen) würde seine Farbe bzw. seinen Farbschlag "grau" an alle Nachkommen - auch an die, die nach schwarz-braunen Hündinnen fallen, dominant weitergeben.
Der dominant grau vererbende Hund hat allerdings einen großen Vorteil, er ist reinerbig im Stockhaar, d.h. er bringt keine langhaarigen Nachkommen. Wäre ein dominant grau vererbender Hund derzeit bekannt, wäre das sicherlich ein Weg, kurzfristig unser Langhaar-Problem zumindest einzudämmen.
Niemand braucht nun zu erschrecken und zu denken, er wäre im Falle des Zuchteinsatzes eines grauen Zuchttieres danach für alle Zeiten an die graue Farbe gebunden. Das ist total falsch, denn:
Die Vererbung der grauen Farbe ist nämlich dominant, nicht rezessiv:
Das heißt, und dies ist wirklich absolut sicher:
Nur wenn mindestens ein Elternteil einer Paarung grau ist, kann ein grauer Welpe entstehen.
Aus einer Paarung schwarz-braun mit schwarz-braun werden immer schwarz-braune Nachkommen fallen. Egal wie viele Vorfahren dieser beiden schwarz-braunen Eltern grau waren.
Erscheint ein grauer Welpe in solch einem Wurf, hat auf jeden Fall ein grauer Rüde an dieser Paarung direkt mitgewirkt.
Daran gibt es keinen Zweifel!
Dagegen können aus einer Verbindung grau mit grau durchaus schwarz-braune oder sogar schwarze Welpen fallen. Das ist ebenfalls gar nicht so selten, da sich die schwarz-braune und auch die schwarze Farbe ja rezessiv vererbt.
Beispiel:
Niemand, der einen grauen Rüden oder eine graue Hündin zur Zucht benutzt, ist von da an zur grauen Farbe auf ewig verdammt - ich sage das ganz bewußt so provozierend, da wirklich oft so argumentiert wird.
Paart man eine schwarz-braune Hündin mit einem grauen Rüden, so fallen im Mittel 50 % graue und 50 % schwarz-braune Welpen.
Wird aber von diesem Züchter nur mit den schwarz-braunen Nachkommen aus dieser Verbindung weitergezüchtet – vielleicht weil er einfach keine grauen mag - und diese schwarz-braunen werden wieder ausschließlich mit schwarz-braunen Partnern gepaart, so kann niemals mehr ein grauer Welpe fallen.
Der Vorteil dieses einmaligen Einsatzes eines grauen Zuchttieres ist die kurzfristige Erhöhung des Schwarzanteils beim Ausgangsmodell.
Der falsche Weg - und das ist leider der Weg, den ich schon oft beobachtet habe - ist folgender:
Der Züchter mit der extrem hellen Hündin denkt an die letzte Rettung - ein Grauer muß her, und dieser graue Rüde soll nun alles wieder heilen. Alles das, was dieser Züchter in zahlreichen Generationen vorher versäumt hat.
Seine Hündinnen haben überwiegend......
- helle Krallen
- keine ausgeprägte Maske
- rote Rutenspitze
- nicht geschlossene schwarze Decke
- helle Augen
- helle Lefzen, helles Zahnfleisch
- helle Pfotenunterseiten - auch im Sommer
- wenig Farbe am Oberkopf
- weiße Haare in den Ohren
- helle Innenseiten
- oft vereinigen sich alle diese Mängel auf einer Hündin -
und dieser Züchter denkt jetzt:
Simsalabim - ein grauer Rüde - und dann ist alles wieder gut.
Manchmal ist das auch so - aber nur manchmal.
Und genau diese Züchter sind im Ergebnis nachher die Vertreter folgender Thesenführung:
Grau soll Pigment verstärken ? - alles Quatsch!
Das Geheimrezept für gutes Pigment hat noch niemand schreiben können. Der sinnvolle Einsatz der grauen Zuchttiere ist aber sicherlich ein Weg dazu.
Will man das Pigment verbessern, so muß zunächst einmal der Erbgang beachtet werden. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten, wenn man aus der Statistik weiß, wie das Zuchttier vererbt.
Folgende Paarungen sind möglich:
Zur Verbesserung bzw. Kräftigung des Pigments beim schwarz-gelben Schäferhund kann man zwei Wege beschreiten:
Man paart z.B. eine schwarz-gelbe Hündin (mit schwachem Pigment) mit einem grauen oder kräftig pigmentierten schwarz-braunen Rüden an, der Vorfahren hat, die im nachweislichen Wechsel aus grauen und schwarz-braunen Verbindungen stammen.
Dies sind die sichersten Pigmentverbesserer.
Ob nun Rüde oder Hündin die ein oder andere Farbe aufweisen, ist für den Erbgang unerheblich. In dem Wurf mit dem grauen Vater fallen voraussichtlich graue und besser pigmentierte schwarz-braune Welpen. In dem Wurf mit dem o.g. schwarz-braunen Vater fallen natürlich nur schwarz-braune Welpen.
Ein grauer Partner, der über mehrere Generationen (auf der Vater- und Mutterseite) ausschließlich in grau gezüchtet wurde, vererbt weniger gute Pigmentierung in grau als auch in schwarz-braun.
Paart man eine schwarz-gelbe Hündin (mit schwachem Pigment) mit einem grauen, reinerbigen, also dominant grau vererbenden Rüden an, so fallen nur graue Welpen in unterschiedlichen Variationen. Im Mittel wären dann theoretisch 50 % reinerbig für grau und 50 % spalterbig. Da man jedoch den schwarz-gelben Farbschlag verbessern will, kann man jetzt über diese 50 % spalterbigen, grauen Nachkommen wieder die Anpaarung mit schwarz-gelben Partnern vornehmen. Dieser vermeintliche Umweg ist sehr mühsam, hätte aber den Vorteil, daß man die Bandbreite der grauen Tiere vergrößert und dadurch dann eine größere Zuchtauswahl hätte.
Dieser zweite Weg ist sicherlich heutzutage kaum nachvollziehbar, da - mir jedenfalls - kein dominant grau vererbender Rüde bekannt ist.
Der Versuch, einen reinerbig grauen Hund zu züchten, würde mich persönlich sehr interessieren. Nur wenn er dann im Ergebnis gar nicht zum Einsatz käme, weil die Vorurteile gegenüber der grauen Farbe zur Zeit noch nicht ausgeräumt sind, wäre das auch für mich im Ergebnis ziemlich frustrierend.
Der interessierte Züchter stellt sich nun die Frage, woher der reinerbig grau vererbende Rüde sein Erbgut mitbekommen hat. Um das festzustellen, braucht man nicht weit zurückzugehen, wenn die Eltern grau und in Bezug auf Farbe spalterbig sind. Somit kommt nur die erste Paarungsmöglichkeit in Frage, worin 25 % der Nachkommen reinerbig grau sind.
Vielleicht noch ein Beispiel aus der eigenen "Küche":
Mein Rüde "Flick von Arlett" - übrigens kein grauer Hund - hat mit dem Erscheinungsbild seiner vier bisher vorgestellten Nachkommengruppen bewiesen, daß er seine ausgeprägte Pigmentierung - insbesondere auch am Kopf - fast dominant weitergibt. Diese Fähigkeit, auch mit den hellsten Hündinnen eine deutliche Pigmentverbessserung zu bewirken, ist auf seine "graue" Abstammung auf der Mutterseite zurückzuführen
| Yago v. Wildsteiger Land | Eiko v. Kirschental | Uran v. Wildsteiger Land | Irk v. Arminius |
| Palme v. Wildsteiger Land | |||
| Xitta v. Kirschental | Lasso di Val Sole | ||
| Nimi v. Kirschental | |||
| Quina v. Arminius | Xaver v. Arminius | Lasso di Val Sole | |
| Wilma v.d. Kisselschlucht | |||
| Palme v. Wildsteiger Land | Nick v.d. Wienerau | ||
| Fina v. Badsee | |||
| Ursa von Arlett | Joker von Arlett | Uran v. Wildsteiger Land | Irk v. Arminius |
| Palme v. Wildsteiger Land | |||
| Katze v.d. Wienerau | Canto v. Ammerlandeck | ||
| Era v.d. Wienerau | |||
| Medea v. Aducht | Aramis v. Allamo | Quai v.d. Boxhochburg | |
| Moni v. Haus Eyll | |||
| Wilma v. Patersweg | Igo v. Hylligen-Born | ||
| Gitta v. Patersweg |

